Sinfoniekonzert VIII
Philharmonie Essen
Vom Harfenzauber zur Sinfonik
von Dierk Schapals (kulturbummler)
13.03.2026
Im Rahmen des Komponistinnenfestivals her:voice III präsentierten die Essener Philharmoniker unter der Leitung von Nil Venditti drei Archivschätze, die ihr Potenzial voll entfalteten.
Den Auftakt bot Ina Boyles Rhapsodie The Magic Harp (1919). Inspiriert von keltischen Legenden, webten flirrende Streicher eine neblige Atmosphäre. Juan Antonio García Díaz, Harfenist der Essener Philharmoniker, interpretierte das Instrument meisterhaft als pulsierendes Herzstück zwischen spätromantischem Schwelgen und feinen Nuancen.
Einen Kontrast bildete Maria Herz’ Cellokonzert (um 1930). Solistin Raphaela Gromes bestach durch leidenschaftliche Expressivität und technische Brillanz. Mit ihrem warmen Ton verlieh sie dem Werk eine emotionale Dringlichkeit zwischen melancholischer Introspektion und modernem Aufbegehren. Im packenden Dialog mit den dunklen Orchesterfarben bewies sie höchste Virtuosität und kompositorische Tiefe.
Den Abschluss bildete Louise Farrencs 2. Sinfonie (1845), die mit klassizistischer Brillanz und beinahe Beethoven’schem Feuer ihre Zeitgemäßheit bewies. Die rhythmische Verve und präzise Bläserpassagen unterstrichen eine Meisterschaft, die keinen Vergleich mit großen Zeitgenossen scheuen muss. Die kluge Dramaturgie führte von mystischen Klangflächen über die Tiefe der Moderne zu einem optimistischen Finale.
Nil Venditti leitete die Essener Philharmoniker mit hochenergetischer, präziser Stabführung und feiner Balance. Unter ihrer Führung entwickelte das Orchester eine beeindruckende dynamische Spannweite und verlieh jeder Partitur ein messerscharfes Profil.
Ein Abend von hoher künstlerischer Qualität, der die eigenständige Sprache der drei Komponistinnen feierte.