Sinfoniekonzert VI
Philharmonie Essen
Ein Abend, der nachhallt: Zimmermann elektrisiert, Schubert überwältigt
von Dierk Schapals (kulturbummler)
23.01.2026
Dieser Abend zeigte zwei Gesichter der musikalischen Leidenschaft: das fiebrige, existenziell aufgeladene Bekenntnis in Frank Martins Violinkonzert und den sieghaften, lichtdurchfluteten Atem von Schuberts großer C-Dur-Sinfonie – getragen von einem Solisten und einem Dirigenten in Bestform.
Das Violinkonzert von Frank Martin entfaltete sich an diesem Abend als zutiefst bewegende Reise zwischen introspektischer Schwere und leidenschaftlicher Klarheit, in der jede Phrase wie eine existenzielle Frage wirkte. Frank Peter Zimmermann zog mit seiner warmen, zugleich kristallklaren Tongebung und innerer Dringlichkeit das Publikum in den Bann, brachte Martin’s komplexe Klangwelt nuancenreich zum Leuchten und ließ die Geige singen, klagen und jubeln. Unter der sensiblen Leitung von GMD Andrea Sanguineti blieb der Orchestersatz stets transparent und lebendig, so dass Solist und Ensemble zu einer beeindruckend intensiven, organischen Interpretation verschmolzen.
Nach der Pause entfalteten die Essener Philharmoniker unter der Leitung ihres GMD Schuberts „Große C-Dur-Sinfonie“ als ein beeindruckendes Spektrum kontrastreicher Klangwelten: vom majestätisch strahlenden Anfang über poetisch durchleuchtete Mittelsätze bis hin zu einem vitalen, von frischer Energie geprägten Finale. Die Tempi wirkten durchdacht und organisch, so dass das Orchester einerseits die weit ausgreifenden Bögen dieser sinfonischen „Großen“ klar konturierte und andererseits den innewohnenden Lyrismus und die leuchtende Klangsprache Schuberts kraftvoll zur Geltung brachte. Sanguinetis Balance aus Transparenz und dramatischer Spannungssteigerung ermöglichte den Musikern wie dem Publikum ein unmittelbar mitreißendes Erlebnis dieses epischen Meisterwerks von unverwechselbarer Größe. Bravi und Standing Ovations für einen großen Konzertabend.