Klaus Mäkelä - Tschaikowsky Violinkonzert
Philharmonie Essen
Zwischen schwebender Poesie und erschütternder Abgründigkeit
von Dierk Schapals (kulturbummler)
24.01.2026
In der Philharmonie Essen präsentierte sich das Oslo Philharmonic Orchestra Oslo-filharmonien unter Klaus Mäkelä in bestechender Form: hochkonzentriert, klanglich differenziert und mit einer Spannung, die vom ersten Ton an spürbar war.
Im Tschaikowsky-Violinkonzert entfaltete Lisa Batiashvili einen warmen, edlen Ton, der technische Brillanz und große Innigkeit vereinte. Ihr Spiel wirkte nie vordergründig virtuos, sondern stets gesanglich und erzählerisch – besonders die Canzonetta berührte mit schwebender Melancholie, während das Finale vor Energie und tänzerischer Leichtigkeit sprühte. Mäkelä und das Orchester begleiteten sie mit feinem Gespür für Balance und Atem, sodass ein intensiver Dialog zwischen Solistin und Ensemble entstand.
Nach der Pause führte Schostakowitschs 8. Sinfonie in eine ganz andere Klangwelt: düster, zerrissen, von innerer Unruhe geprägt. Mäkelä spannte die großen Bögen mit klarer Architektur, ließ die schneidenden Blechbläserausbrüche erschüttern und formte zugleich die leisen, fast erstarrten Passagen mit beklemmender Ruhe. Das Orchester überzeugte durch enorme dynamische Bandbreite und expressive Tiefe – vom flirrenden Pianissimo bis zu überwältigenden Kulminationen.
Ein Abend zwischen lyrischer Schönheit und existenzieller Dramatik, getragen von einer herausragenden Solistin, einem Spitzenorchester und einem Dirigenten, der mit großer Reife und innerer Spannung musiziert. Bravi und Standing Ovations für ein Konzert, das lange im Ohr nachklingt.